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Borstige Schwarzkittel – schlau, flott, erfolgreich

In den schwarzen, von langen Wimpern umrandeten kleinen Augen blitzt es herausfordernd. Ob dieses Schlachtschiff von einer Bache mich wiedererkennt?

Bei meinem letzten Besuch des Bad Marienberger Wildparks im Frühjahr hatte sie eine unübersichtliche Zahl an gestreiften Nachwuchsschweinchen um sich herum flitzen. Wettrennen mit 24 Teilnehmern, Schaukämpfe und generelles „Ich-stecke-meinen-Rüssel-dahinein-wo-er-am-meis-ten-im-Weg-ist“ ließ sie mit einer Engelsgeduld über sich ergehen.

Bis zu dem Zeitpunkt, als eines der Kleinen beschloss, auf eigene Faust loszuziehen und auszuprobieren, ob es wohl durch die gut gesicherten Maschen des Zaunes passen könnte. Ich stand auf der anderen Seite des Zauns – weit genug von Mama, Tanten und großzahnigen Vätern und Onkeln entfernt – und fand den kleinen Abenteurer einfach zu goldig. Als er tatsächlich versuchte, sich durch den Zaun zu schlängeln, war Mama allerdings nicht mehr amüsiert. Sie baute sich beeindruckend vor dem Zaun auf und machte mir und dem kleinen Ausreißer ganz flott klar, wie nah denn nun definitiv zu nah ist.

Der kleine gestreifte Pirat war flugs wieder auf der anderen Seite des Geheges und tat so, als könnte er keine Schlammpfütze trüben. Für die riesige Bache war ich als „Anstifterin“ aber ganz klar die Schuldige – ok, das Wildtierfutter in meiner Hand war wohl Indiz genug – und ich hatte das ungute Gefühl, dass sie die Angelegenheit am liebsten mit mir auf persönlicher Ebene ausdiskutiert hätte.

Der Nachwuchs von damals ist heute definitiv schon zu groß für solche abenteuerlichen Anläufe. Die Bache, die sich ruhig vor ihrem Unterstand in der Nachmittagssonne räkelt, hat mich trotzdem fest im Blick. Auch wenn ich auf rationaler Ebene weiß, dass diese schwarzfellige Übermama mich nur als ein Zaungast unter vielen sieht – ich fühle mich ertappt…