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Tag der offenen Tür?

Löhr Altholz-Haustüre

Altholztüren: Designerstücke statt Hausmannskost

Ein traditioneller Westerwälder Handwerksbetrieb. Ein Schreinermeister mit Leib und Seele. Ein Unternehmen, seit mehr als 150 Jaren im Familienbesitz. 

Wahrscheinlich hängt es mit dem Beruf meines Vaters zusammen, dass ich jedes mal tief einatme, wenn ich eine Schreinerei betrete: Der Duft von Holz hat für mich immer etwas mit Zuhause, mit Sägespänen auf karierten Hemden und frisch gezimmerten Blumenkästen voll mit Geranien zu tun. 

Der gleiche Geruch nach Holz, Leim und Spänen kommt mir aus einem Werkstatt-Tor in Höchstenbach entgegen. Mit Blumenkästen hat das schicke Designerteil, was da vor mir aufragt, wirklich nichts zu tun…

Man würde es auch nicht gerade hier vermuten, in einer Haustürenmanufaktur mit jahrhundertelanger Unternehmens- und Familiengeschichte. Denn was hier in den letzen Sonnenstrahlen des Tages wie ein Monolith in der Werkstatt steht, ist eine in vielen Stunden Handarbeit entstandene Haustür aus Altholz. Das verwendete jahrzehntealte Eichenholz hat bereits Geschichte, ein Eigenleben, wenn man so will. Genau das ist es auch was mich – neben dem schlichten Design – an diesen Türen fasziniert. 

Markus Löhr, Inhaber der Haustüren-Manufaktur und Schreinerei Löhr, ist ein echter Westerwälder. Seine Idee, aus dem Holz alter Häuser neue Türen herzustellen, bedeutete für das Unternehmen, Neuland zu betreten. Nicht nur was das verwendete Material angeht. Auch stilistisch ging man damit komplett neue Wege. Das häufig extrem reduzierte Design, kombiniert mit robustem Stahl, stellt einen Gegenentwurf zum gewohnten Betätigungsfeld der Manufaktur dar: Dem Bau von historisch inspirierten Türen. Von Gründerzeit bis Barock, von Jugendstil bis zu Biedermeier, häufig mit detailreichen Schnitzereien, Verglasungen und Schmiedearbeiten.

„Unsere Türen sind Individualisten. Industriegefertigte Varianten gibt es schon genug. Wir haben uns auf die Gestaltung und die Fertigung von individuell geplanten Holzhaustüren spezialisiert“, meint Markus Löhr. Inzwischen hat das Westerwälder Unternehmen einen Namen weit über die regionalen Grenzen hinaus. Grundlage hierfür legte die umfangreiche Expertise beim (Nach-)Bau anspruchsvoller Haustüren aus Echtholz. Diese müssen nicht nur modernen Sicherheitsaspekten entsprechen, sondern auch den strengen Auflagen des Denkmalschutzes. 

Das schöne Einzelstück dort in der Werkstatt bleibt nicht lange stehen, sondern geht in Kürze auf die Reise in sein endgültiges Zuhause. Ich bin neugierig, wo diese Altholztür demnächst Besucher und Bewohner willkommen heißen wird. In einer renovierten, jetzt als Wohnhaus genutzten Scheune? Einem Bauhaus-Kubus? Oder einfach nur bei einer Baufamilie mit richtig gutem Geschmack (und ein wenig Kleingeld)?

Unter dem aufmerksamen Blick von Rocky, dem vierbeinigen Teil der Alarmanlage, schaue ich mir die Details der Tür an. Das honigfarbene Eichenholz hat eine sägeraue Oberfläche  und fühlt sich angenehm warm an. So ganz anders als die glatt-gelackten Kunststoff-Flächen der überall anzutreffenden 0815-Haustüren.  Die Kombination mit dem langen, schwarz lackierten Stahlgriff passt. Diese Tür vermittelt schon auf den ersten Blick ein fundiertes Gefühl von Stabiltät, von Standfestigkeit. Mich beschleicht der Eindruck, dass es etwas mit dem
„erwachsenen“ Material zu tun hat. Holz, das schon einmal zum Bestand eines Hauses beigetragen hat. Metall, unverwüstlich und neutral. Eine gute Kombination, darüber hinaus auch noch designerisch wertvoll. 

Sehr schade, dass ich gerade selbst keine neue Haustür brauche und das schicke Exemplar in der Werkstatt auch definitiv zu breit für meinen Flur ist. Aber wenn es nach Rocky ginge, hätte ich die hier sowieso nicht haben dürfen. So besitzergreifend wie er gerade davor sitzt…

Mehr Infos zu den handgemachten Holzhaustüren von Markus Löhr und seinem Team gibt es hier: www.westerwald-haustueren.de

bho

Fotos: Matthias Ketz

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