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Rendezvous mit kleiner Schönheit

Gänseblümchen

von Iris Franzen, Kräuter-Spezialistin

Freuen Sie sich auf die Gänseblümchen in Ihrem Garten? Die bescheidenen Blümchen sind nicht nur hübsch anzusehen, wie ihr lateinischer Name bellis perennis, „die immer schöne“ verspricht, sie sind auch Stoff für Geschichten und Legenden und dazu noch wirksame Heilpflanzen! Schon im Mittelalter wurden sie als solche erwähnt und im Jahr 2017 war das Gänseblümchen sogar Heilpflanze des Jahres. In Amerika ist der 28. Januar der „daisy-day“, der „Tag des Gänseblümchens“.

Volksheilkundlich verordnete man Gänseblümchentee gegen hohen Blutdruck, bei Leber- und Nierenleiden, Gicht, Rheuma, aber auch zur Blutreinigung und Anregung der Verdauung. Außerdem soll er schmerzlindernd und schleimlösend sein, wirksam bei Erkältungen und Husten. Überbrühen Sie 2 Teelöffel frische (oder 1 TL getrocknete) Blüten mit 250 ml kochendem Wasser und lassen Sie den Aufguss 15 Minuten zugedeckt ziehen. Dann mit einem Löffelchen Honig gesüsst geniessen.

In der Homöopathie wird das Gänseblümchen als „kleine Schwester der Arnika“ bezeichnet und als Urtinktur zur Unterstützung der Heilung stumpfer Verletzungen eingesetzt. Die Kräuterfrau Eva Aschenbrenner empfiehlt in solchen Fällen eine Auflage von mit dem Nudelholz angequetschten Blüten in einem Tuch.

Überhaupt haben Auszüge vom Gänseblümchen in Öl oder als Tinktur eine sehr positive hautberuhigende und pflegende Wirkung. Die frischen Blüten zerreibt man zwischen den Fingern und trägt sie als Erste-Hilfe-Mittel auf Insektenstiche und kleinere Wunden auf.

Die kleine Pflanze ist gut „für alle, die vom Leben mit Füssen getreten werden“: Dieser Spruch ist mir aus meiner Kräuterausbildung im Gedächtnis geblieben; die kleine Pflanze wird häufig achtlos niedergetreten und richtet sich doch immer wieder auf! Daher sagt man ihr eine heilende, beruhigende Wirkung bei seelischen Traumata nach.

Man kann es sich aber auch ganz einfach machen und die ersten drei Gänseblümchen, die man im Frühjahr entdeckt, verspeisen. Dies schützt angeblich den Rest des Jahres vor Fieber, Augen- und Zahnleiden und man wird auch niemals Durst leiden. Aber Achtung: sie dürfen nicht gepflückt werden, sondern man muss sie direkt mit den Zähnen abbeissen und unzerkaut schlucken!

Will man auch Anderen etwas Gutes tun, pflücke man an Johanni (24. Juni) zwischen 12 und 13 Uhr ein Sträußchen, lässt es trocknen und verschenkt es als Talisman. Den Beschenkten wird das Glück ein Jahr lang nicht mehr verlassen! Außerdem beschützt das Gänseblümchen, welches ebenfalls ein Symbol für kindliche Unschuld ist, die Kinder davor, von Feen entführt zu werden. Es scheint zu stimmen, denn ich habe als Kind oft einen Gänseblümchenkranz im Haar getragen und bin meinen Eltern erhalten geblieben! Kulinarisch gibt das bescheidene Blümchen auch einiges her, die grünen grundständigen Blätter schmecken wie Feldsalat, die Knospen lassen sich wie Kapern in Essig einlegen und die Blüten haben eine feine Schärfe. Sie sind ja auch hübsch anzusehen, und so gehe ich vor dem Essen immer noch mal schnell durch den Garten und pflücke sie als Krönung für Salate oder Deko für Suppen.

Sehr lecker sind zerkleinerte Blüten auf einem einfachen Butterbrot, oder als würzige Zutat in Blütenbutter: gemischt mit bunten Veilchen, Wiesenschaumkraut, Kornblumen, etc., wird diese auch zum Hingucker auf Buffets. Mit Frischkäse oder Quark verbinden sich Blüten und Blätter zu einem gesunden und wohlschmeckenden Brotaufstrich.

Wie wäre es mit einem „Gänsewein“ dazu? In einer schönen Karaffe Gänseblümchen und einige Zitronen- oder Orangenscheiben in Wasser 2-3 Stunden ziehen lassen. Statt Wasser bietet sich auch Apfelsaft an, dem ich aber noch ein paar Gierschstängel zufüge, um nachher – mit Sprudelwasser aufgegossen – eine Kräuterlimonade zu haben.

Zum Frühstück, kleine und große Kinder, sieht ein Nutella-Brot richtig cool aus, wenn man es mit Gänseblümchen verziert!

Oder man kocht ein feines Gänseblümchen-Gelee

500 ml klarer Apfelsaft
500 ml Wasser
2 Handvoll frische Gänseblümchen
1 Bio-Orange in Scheiben
1 P. Gelierzucker

Apfelsaft und Wasser mit den Blüten und den Orangenscheiben in einem großen Topf aufkochen und über Nacht ziehen lassen.
Am nächsten Tag abseihen, mit dem Gelierzucker vermischen, aufkochen und drei Minuten sprudelnd kochen lassen. Auf einem kleinen Teller eine Gelierprobe machen und das Gelee heiss in saubere Gläser füllen.
Wer mag, gibt jetzt in jedes Glas ein paar frische Blüten, dadurch verringert sich allerdings die Haltbarkeit. Noch feiner wird der Aufstrich, wenn man das Wasser durch einen lieblichen Roséwein ersetzt…

TIPP FÜR KIDS ZUM MUTTERTAG:
Ein selbstgemachtes HAUTSCHMEICHLER- ÖL!
Ein kleines Glas halb mit Gänseblümchen füllen und mit Sonnenblumen- oder Olivenöl übergiessen. Zwei Wochen stehenlassen, jeden Tag einmal schütteln, dann durch ein dünnes Tuch filtern. In einem hübschen Fläschchen, am besten mit einem selbstgemalten Etikett wird daraus ein tolles Geschenk zum Muttertag!

Ihre Iris Franzen

Iris Franzen ©RoeMo
Iris Franzen, Kräuterexpertin (IHK)

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