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Hyperreale Kunst

Ein Gespräch mit der Künstlerin Carmen Benner-Batz über hyperreale Kunst und ihre Auslegung dieser Stilrichtung.

Der Westerwald ist das Zuhause einer wachsenden Zahl kreativer Köpfe und Künstler. In den kommenden Ausgaben möchte ich Ihnen einige davon im Rahmen von Interviews und Gesprächen vorstellen. Den Anfang macht eine Unterhaltung mit Carmen Benner-Batz, einer Malerin, die grosse Formate und die kreativen Herausforderungen des Hyperrealismus liebt. 

Von wo kam die Inspiration mit der Malerei zu beginnen? Gab es einen Impuls, einen Auslöser?

Im Grunde male ich schon seit meiner Kindheit. Mit 20 lernte ich den Maler Bernhard Nauroth kennen und fing an, mich intensiv mit der Malerei zu befassen. 1993 gründeten wir die Künstlergemeinschaft „A Rebours“ nach dem gleichnamigen Roman von Joris K. Huysmans. Parallel zu meinen eigenen Arbeiten entstanden hier gemeinsame, synchron an der Leinwand gemalte Werke nach der Methode des psychischen Automatismus, die sich stilistisch jedoch stark von meinen eigenen Arbeiten unterscheiden. 

2005 wendete ich mich wieder verstärkt der eigenen, figurativen Bildwelt zu. Ein weiterer für mich entscheidender Punkt in meiner kreativen Entwicklung stellte der Besuch der Gothaer Sommerakademie des spanischen Malers Jorge Villalba 2013 dar. Für mich der Beginn einer persönlichen Annäherung zum Hyperrealismus. 

Was hat sich seitdem in ihrem Stil, ihrer Technik, ihrer Philosophie verändert?

Mein Malstil hat sich im Wesentlichen verfeinert; allerdings verwende ich den hyperrealistischen Stil gerne mit skizzenhaften, grob gemalten Elementen. Die verschiedenen Bildsprachen bringen eine gewisse Spannung in eine Atmosphäre, in der sich aus etwas Unfertigem ein nahezu greifbares Element herausschält. Es gibt zur Zeit viele hyperrealistische Maler, die durch ihre Technik bestechen. Mir persönlich fehlt in deren Arbeiten aber häufig das Geheimnisvolle, die Mystik. Sie sind wichtige Grundpfeiler meiner Malerei.  „Die Nornen“ – das Motiv der drei Schicksalsfrauen Urd, Verdandi und Skuld aus der nordischen Mythologie – die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  verkörpern – spiegelt diesen geheimnisvollen, mythischen und mystischen Aspekt wieder. 

Manche Ihrer Werke haben einen literarischen Hintergrund?

2004 bis 2005 arbeitete ich an einer Serie anlässlich des 200. Geburtsjahres von H.C. Andersen. Es entstanden acht meist grossformatige Arbeiten, die einige seiner Märchen neu interpretieren. 

Seine Erzählungen waren Teil meiner Kindheit und die Eindrücke daraus wurden in unsere heutige, nüchterne Erwachsenenwelt transformiert und auf das Wesentliche reduziert.

Das Bild „Der Sündenfall“ wurde von „His Dark Materials“ von Philip Pullmann inspiriert, der wiederum durch John Miltons „Paradise Lost“ motiviert wurde. Ein oft gemaltes, klassisches Thema in der Kunstgeschichte; meine Interpretation hat jedoch einen gewollt rebellischen Unterton.

Familie und Freunde spielen häufig als Modell eine Rolle in den Motiven. Ist es die Geschichte, die sie verbindet, die sie auch inspiriert?  Oder kommt die Idee zu einem Motiv und sie wählen dann das Modell?

Eher Letzteres. Meist steht zuerst die Idee im Raum und dann suche ich gerne im Kreis von Familie und Freunden nach dem richtigen Modell. Sie wissen wie ich „ticke“ und das macht meine Arbeit sehr viel einfacher.

Gibt es ein wiederkehrendes Thema, dass Ihrer Arbeit zugrunde liegt?

Urd – Öl auf Leinwand ©Carmen Benner-Batz

Nein. Meine Ideen zu den Arbeiten entstehen – mit Ausnahmen natürlich – meist ungeplant. Meine Bilder entwickeln oft eine eigene Geschichte, die ich zum Teil selbst nicht entwirren kann. Manchmal verselbständigt sich auch ein Thema und wird zu einem weiteren Motiv. So war es bei den Nornen. Hier entstanden aus dem Leitmotiv des Fadenspiels, der Schicksalsfäden, drei weitere Bilder. Von einem Kinderspiel zum philosophischen Schicksalsfaden bis zur nordischen Mythologie. Ein Thema, das man endlos weiterspinnen kann…

Woran arbeiten sie gerade? 

Momentan arbeite ich am Motiv eines schlafenden Fuchses, der in einer dunklen, verlassenen Kathedrale liegt, über ihm ein opulenter Kronleuchter. Man ahnt, dass der Ort schon länger verwaist ist. 

Meine Arbeiten enthalten derzeit eine subtile, dystopische Grundtendenz. Ein gutes Beispiel dafür ist „Die Bienenkönigin“  – sie beherbergt ein Bienenvolk, welches es vielleicht in naher Zukunft nicht mehr geben wird…

Die Bienenkönigin – Öl auf Leinwand ©Carmen Benner-Batz

 

 

 

 

 

 

bho

Einblick in das Oevre der Künstlerin: 
www.carmen-benner.de

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