Aktuelle Ausgabe, Extra
Schreibe einen Kommentar

Ein Schotte im Westerwald

300x200_SLW_2

Olaf Manns beim Whisky-Tasting © K. Manns

Eine Unterhaltung mit Olaf Manns über Whisky, Ruinen und schottischen Regen.

Fast könnte man glauben, mit Olaf Manns hätte sich ein Schotte hierher verirrt. Doch trotz Original-Kilt und legendärem Whisky-Fachwissen ist sein Zuhause noch immer der Westerwald.

Als Whisky-Liebhaber, Schottland-Enthusiast und echter Kenner von Land und Leuten führt er als „Schotte im Westerwald“ seit 1999 gemeinsam mit Paul Becher das Unternehmen Westwood Whisky.  Regelmäßig veranstalten die beiden Tastings im eigenen Tasting-Room oder in der Birkenhof-Brennerei in Nistertal. 

Beruflich kommen Sie aus einer komplett anderen Richtung, der Steuerberatung. Wie kommt man von dort zum Whisky – wie ist dieser Weg verlaufen und was war die Inspiration für Ihre eher ungewöhliche Passion?

Die Liebe zu Schottland mit seinen tollen Landschaften war zuerst da. Will heissen Gepäckwanderungen mit Rucksack und Zelt durch die damals noch fast „touristenlosen“ Highlands. Bei einer dieser Touren haben wir uns im Regen auf der Insel Skye bei der dortigen Brennerei untergestellt. Das war natürlich Talisker; in den 80er-Jahren, lange bevor er Classic Malt wurde und auch lange vor einem Besucherzentrum. Ein Mitarbeiter im Blaumann hatte Mitleid und führte uns – vor lauter Langweile – ausgiebig herum. Da hat es bei mir „Bang“ gemacht. Alle folgenden Schottlandtouren waren dann irgendwie auch mit Whiskybrennereien verbunden. Aber alles rein privat. Erst am 1. April (!) 1999 folgte dann zusammen mit Paul Becher die Gründung von Westwood Whisky. Und der Rest ist quasi Geschichte.

Wer – oder was – ist Duncan Taylor? Dieser Name geistert häufig durch die Whisky-Szene und ist auch eng mit Ihnen und Ihrem Kollegen Paul Becher verbunden.

Duncan Taylor ist für uns eine Herzensangelegenheit. Sicher der einzige unabhängige Abfüller weltweit, dessen Ruhm auf einer Privatsammlung beruht. Ein schwerreicher Whiskyliebhaber namens Abe Rosenberg verstarb 1994 und hinterließ ca. 4.000 Fässer sehr alter, seltener Single Malts fast aller schottischen Brennereien. Im Jahr 2002 erschien das aus dem Nachlass entstandene Unternehmen Duncan Taylor auf dem „Whiskyplaneten“. Seitdem vertritt Westwood Whisky Duncan Taylor auf der alljährlich im April stattfindenden Whiskymesse „The WhiskyFair“ in Limburg an der Lahn, die übrigens zu den größten Whiskymessen weltweit zählt. 

Westwood Whisky füllt auch eigene Fässer ab. Allerdings sehr selten. 

Unabhängige Abfüller von Single Cask Malts gibt es grundsätzlich genug. Da wir uns selbst einen extrem hohen Anspruch an die Qualität gesetzt haben, gab es in 18 Jahren Firmengeschichte auch erst drei eigene Bottlings, obwohl wir regelmäßig Proben erhalten und testen. Einen 20jährigen Glen Scotia, einen 7jährigen Southern Islay und jetzt in 2017 wieder einen 20jährigen – diesmal aus der renommierten Speyside-Brennerei Glenrothes und aus einem Refill-Sherry-Cask. Dieser leckere Single Malt ist auch aktuell noch verfügbar.

Von Duncan Taylor zu Charles Maclean: Im internationalen Überraschungserfolg „The Angels Share“ spielt Maclean sich selbst  – ein Schwergewicht der weltweiten Whisky-Familie. Wie kommt die Verbindung zu zwei Westerwälder Whisky-Enthusiasten zustande?

Charles ist sicher einer der weltweit angesehensten Whiskyexperten und es erfüllt mich wirklich mit Stolz eine sehr lange Freundschaft mit ihm zu pflegen. Abgesehen von gegenseitigen privaten Besuchen veranstalten wir seit einigen Jahren ein jährliches Tasting mit ihm und Alex Bruce (Adelphi Managing Director) mit den aktuellen Bottlings dieser Company in unserem Tastingroom Montabaur-Horressen. So kam Charlie vor einigen Jahren auch zur Birkenhof Brennerei in Nistertal und war absolut begeistert. Nicht nur von den Produkten, auch von der Umgebung. Beim Blick aus den Fenstern des Besucherzentrums fielen die Worte: „Wow, it looks like the Speyside“.

Nach ca. 70 Besuchen in Schottland – was bleibt dann besonders im Gedächtnis? Gibt es ein schlimmstes Erlebnis? 

Mein schlimmstes Erlebnis – im Nachhinein allerdings eher als amüsant zu werten – hängt mit den erwähnten früheren Gepäckwanderungen zusammen. Damals war man noch so verrückt, zwischen Wandertouren auf den schottischen ÖPNV zu vertrauen. Wir saßen zu dritt in Glen Coe Village beim Frühstück und wollten per Bus nach Oban ans Meer. Kurz vor dem Besteigen des Busses kamen wir auf die Idee, das an der Wegstrecke liegende berühmte Castle Stalker zu besichtigen. Es begann eine ausführliche Diskussion mit dem Busfahrer, dem diese berühmte Burg völlig unbekannt war, ob er uns unterwegs absetzen könne und was diese Tour kosten würde. Nach einer Stunde Fahrt fing es heftig an zu regnen und wir entschieden spontan, im Bus sitzen zu bleiben und die Ruine links liegen zu lassen. Nicht so der Fahrer. „The passengers for Castle Stalker please!“ schepperte über die Mikrophonanlage und prompt standen wir unter den mitleidenden Blicken der restlichen Passagiere im strömenden schottischen Landregen. Die Burg in Sichtweite, aber unerreichbar auf einer Insel und der einzige Bus des Tages verschwand gerade hinter der nächsten Kurve. Über 20 km Fussmarsch im Dauerregen entlang der Strasse nach Oban sollten folgen…

Wer mehr über Schottland und die Faszination Whisky wissen möchte, dem empfehlen wir dringend ein Tasting mit Olaf Manns und Paul Becher. Infos: www.westwood-whisky.de

Westwood Whisky, Fässer

WestwoodWhisky – Fässer bei Duncan Taylor

Olaf Manns und Paul Becher © Röder-Moldenhauer

Olaf Manns und Paul Becher © Röder-Moldenhauer

Westwood Whisky - Eildon Hills

Eildon Hills – fast könnte man meinen, es wäre der Westerwald. Wenn die mächtigen Hügel im Hintergrund nicht wären… © O. Manns

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.