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Ein Kraut für die Liebe: Brennnessel und Bärlauch

Kräuter für die Liebe

Die Brennnessel soll eine Liebespflanze sein? Ein Kraut für die Liebe? Aber ja doch! Haben Sie schon einmal einen Blumenstrauss mit einer Brennnessel in der Mitte bekommen? Wenn ja, hat Ihnen jemand in der Blumensprache zu verstehen gegeben, daß er brennende Liebe in seinem Herzen fühlt…

Schauen Sie sich die Pflanzen jetzt im Sommer einmal genau an, und Sie werden feststellen, daß man männliche und weibliche Nesseln gut unterscheiden kann: Die Blüten der „Männer“ stehen an schräg aufwärts gerichteten Blütenständen, bei den „Frauen“ hängen die Blütenstände herab und sind im August üppig mit dem nun zu erntenden Samen besetzt. 

Seit dem Altertum wird überliefert, daß der Brennessel-Samen in der Liebe feurig macht

Schon Dioskorides, der Leibarzt des römischen Kaisers Nero warnt, daß der Samen ein „Begierd zur Unkeuschheit“ hervorruft. In mittelalterlichen Klöstern war der Verzehr sogar strikt verboten. Im 16. Jahrhundert empfahl Otto von Brunfels den Samen mit Eidotter, Zwiebeln und Pfeffer zu verzehren um „ehelich Werck“ zu treiben. 

Ob diese Wirkung nun tatsächlich besteht, sei einmal dahingestellt, wichtig für uns ist heutzutage der hohe Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen, vor allem Eisen und Kalium, die die Brennnesselsamen zu einem heimischen „Superfood“ machen. Deshalb bewaffne ich mich im August mit Handschuhen und gehe reichlich Samen ernten. 

Am besten trennt man die ganzen Samenstände ab, breitet diese auf einem Tuch zum Trocknen aus und streicht sie nach 3-4 Tagen durch ein Küchensieb, so dass die einzelnen Samen hindurchfallen.

Luftdicht verschlossen in einem Glas aufbewahrt, wird ein Esslöffel davon täglich über Müsli oder Salat gestreut, oder auch mit etwas Butter in der Pfanne als schmackhafte „Wiesennüsschen“ angeröstet. 

Zurück zu den erotisierenden Eigenschaften mancher Pflanzen: 

Leonard Fuchs, ein Zeitgenosse des bereits erwähnten Otto von Brunfels, empfiehlt Knoblauch, denn „er macht Lust zu den ehelichen Wercken“ – nun ja, das Küssen würde ich dann vielleicht auslassen… 

Aber auch der Bärlauch soll ähnlich wirken, er reinigt das Blut, schenkt neue Energie nach dem langen Winter und alle Sinne werden angeregt. 

Beim Wiesen-Bärenklau, der jetzt in weissen Dolden blüht, werden auch Männer zu Kräuterfans: man hat in der Pflanze Phytohormone entdeckt, die Männerlenden angeblich die Kraft eines Donnergottes verleihen sollen. Junge Blätter und die brokkoliähnlichen Knospenstände kann man gut im Salat verstecken, dies nur so nebenbei als Info für die Frauen… Die noch grünen Samen haben ein kräftiges Bitterorangen-Aroma und eignen sich hervorragend für einen Liköransatz.

Aber Achtung: bitte nicht verwechseln mit dem Riesen-Bärenklau, der bis zu 3 Meter hoch wird und starke Hautirritationen hervorrufen kann!

Ein Kraut für uns Frauen ist der Beifuß, der gerne die Wegränder säumt. Bekannt als das klassische Gewürz zur besseren Verdauung von Ente, Gans und anderem fetten Fleisch. Er galt einst als die Pflanze der Göttin Artemis und hilfreich bei allen Frauenkrankheiten und noch im Mittelalter wurde er als „Mutter aller Kräuter“ geehrt und es ranken sich allerhand Mythen um ihn. So sollen heiratslustige Frauen das Kraut bei sich tragen, um Männer anzulocken, und an den Schenkel der Frau gebunden, werde die Liebe „heisser“. Auch unter Bett oder Kissen gelegt soll er diese Wirkung haben!

Ein Kraut für die Liebe

Ein zartes Liebeskräutlein ist der sogenannte „Stinkende Storchschnabel“ mit seinen kleinen rosa Blüten und fein gefiederten Blättern. In alten Zeiten wurde er auch Stiergräschen oder Kindsmacherkraut genannt, was ein klarer Hinweis auf die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung der Pflanze ist.

Diese kann man ihm auch ansehen: die Blüten stehen wie Verliebte immer zu zweit zusammen, die roten Stängel sind wie Storchenbeine, die Samenstände sehen wie Storchenschnäbel aus – und der Storch bringt doch die kleinen Kinder, oder?

Brennnessel-Küchlein (12 Stück)

Teig:
100 g Mehl
¼ TL Salz
75 g Butter in kleinen Stücken
1-2 EL Wasser

Füllung:
2 Eier, verquirlt
200 ml Sahne
100 g Bergkäse
½ rote Zwiebel
1 Handvoll Brennnesselsamen (oder junge Blätter je nach Saison)
etwas Rosmarin  
Salz, Chili, Pfeffer

Alle Zutaten zu einem glatten Mürbeteig verarbeiten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen. 12 Kreise ausstechen oder ausschneiden und in ein gefettetes Muffinsblech geben.
Den Käse reiben, Rosmarin und Zwiebel fein schneiden und mit den restlichen Zutaten verrühren. In die Teigmulden gießen. Im auf 180° C vorgeheizten Ofen 20-25 Minuten backen, bis die Füllung stockt.

Warm oder kalt geniessen, dazu einen Salat, verziert mit Wiesen-Bärenklau- und Storchschnabelblüten und ein schönes Glas Wein, rot wie die Liebe…

Foto: Iris Franzen

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